Zinsmanagement - Nur zehn Minuten täglich!
Kreditzinsen sind in den Unternehmen ein Kostenfaktor mit Gewicht, Zinssteigerungen gefährden Kalkulationen und Ertrag. Der Einsatz innovativer Finanzinstrumente gibt Zinssicherheit und hilft oft noch sparen.
Etwa zehn Minuten pro Tag hat Michael Glorius gebraucht, um dem Bauträgerkonzern Baywobau AG, München, im Jahr 2003 ein Cashflow-Plus von rund 250.000 Euro zu verschaffen. »Das ist die Zinsersparnis, die wir durch aktives Zinsmanagement erzielt haben«, erklärt der Finanzchef des Konzerns. Die zehn Minuten genügen ihm, um sich über die aktuellen Entwicklungen bei Zinsen und Devisen auf den deutschen und internationalen Märkten zu informieren. Danach weiß er, ob er weitere Aktivitäten ergreifen muss.
Die Zinsvolatilität ist gestiegen
Aktives Zinsmanagement ist heute unverzichtbar. Grund ist die gestiegene Zinsvolatilität: Die Zinskurven schlagen stärker und in kürzeren Zeitabständen aus. Die Zyklen der Zinsentwicklung dauerten früher acht bis zehn Jahre, seit etwa 1999 haben sie sich auf drei bis vier Jahre verkürzt. Die Folge sind höhere Risiken, aber auch Chancen. Diese Situation verlangt die vorausschauende Planung des Finanzierungsbedarfs. Dann lassen sich Risiken durch nicht kalkulierte Zinssteigerungen ausschließen und Marktchancen zum Zinssparen nutzen.
Die für aktives Zinsmanagement notwendigen Instrumente sind heute am Markt verfügbar, und zwar in Größenordnungen, die ihren Einsatz auch für mittelständische Unternehmen interessant machen. So wurde der starre Festkredit seit Mitte der 90er Jahre zunehmend von variablen Lösungen über den Eurokreditmarkt abgelöst – das erlaubt flexible Reaktionen auf die Zinsentwicklung. Für die unverzichtbare Kalkulationssicherheit sorgen die in den letzten Jahren immer weiter entwickelten Finanzinnovationen wie Zins-Caps, Optionen oder Swaps. Ihre Nutzung kann die jährlichen Zinskosten um 0,5 bis 1 Prozent senken, das haben Untersuchungen in vielen Unternehmen gezeigt. Und Zinsen haben als Kostenfaktor von Gewicht Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit. Trotz allem geben sich schätzungsweise noch immer 50 Prozent der Unternehmen zufrieden, wenn sie einen langfristigen Kredit gegen Risiken abgesichert haben – sie meinen, mehr sei nicht zu tun.
Das Zinsrisiko auslagern
Es ist schon ein paar Jahre her, dass bei Baywobau hier ein Umdenken einsetzte. »Bis dahin lag das Zinsänderungsrisiko im Unternehmen, und damit in den Bilanzen«, so Michael Glorius. Und da geht es nicht um Kleinigkeiten. »Wir arbeiten im Bauträgerbereich mit vielen Krediten, schließlich müssen die Grundstücke erst mal finanziert und die Gebäude hochgezogen werden, bevor der Einsatz zurückfließt. Die Hauptrolle spielen hier kurzfristige Darlehen. Daneben haben wir auch Bestandsimmobilien, die längerfristig finanziert sind«, erklärt der Finanzchef die Situation des Unternehmens.
Vor fünf Jahren schenkte Baywobau der Thematik Zinsmanagement erstmals die gebührende Aufmerksamkeit. Den Anstoß hatte die Beratung durch die HypoVereinsbank gegeben. Die Zinsrisiken sollten nun aus dem Unternehmen ausgelagert werden, denn ihre Beherrschung gehört nicht zum Geschäft des Unternehmens. Schließlich ist ein Bauträger kein Kreditinstitut. Der erste Schritt: Ein Teil der kurzfristigen Kredite wurde mit Swaps oder Caps gegen Zinsrisiken gesichert, denn hier besteht bei Ende der Laufzeit von meist drei oder sechs Monaten die Gefahr, dass eine Verlängerung nur zu höheren Zinsen möglich ist. »Das brachte bereits deutliche Zinsvorteile.«
Flexibilität für Fest-Darlehen
Das war die Situation, als Michael Glorius Anfang 2002 ins Unternehmen kam. Damals hatte das neue Zinsmanagement- Modell bereits seine erste Bewährungsprobe bestanden. Er fand, es war an der Zeit, die nächste Stufe in Angriff zu nehmen. Dazu sicherte er größere Volumina. Vor allem aber nahm er sich die langfristigen Verbindlichkeiten, meist mit einer Laufzeit von zehn Jahren, vor. »Die hatte Baywobau zu Hochzinszeiten als Festdarlehen aufgenommen. Jetzt war das Zinsniveau stark gesunken. Davon wollten wir profitieren.« Eine vorzeitige Rückzahlung schied als Lösung wegen der dann unvermeidlichen Vorfälligkeitsentschädigung aus.
Der Finanzchef wählte einen Swap. »Dabei bleibt das Darlehen unberührt, es wird aber synthetisch variabel gemacht«, und zwar so: Das Unternehmen bekommt von der Bank den Festzins des Darlehens und zahlt dafür den aktuellen variablen Zins, den EURIBOR, plus einen Aufschlag. Das spart Zinsen, birgt aber auch das Risiko von Zinssteigerungen. Kein Problem: »Wenn das Geschäft wegen Zinssteigerung umkippt, mache ich eben ein Gegengeschäft und gehe wieder in den Festzins.« Das könnte etwa durch einen weiteren Swap geschehen, der Zinsen in die andere Richtung tauscht. Möglich wäre auch ein Cap. Dabei bekommt Baywobau Ausgleichszahlungen, wenn die Zinsen über ein bestimmtes Niveau klettern. »Natürlich kostet auch das etwas«, erklärt Michael Glorius, »und zwar umso mehr, je später der Cap bei einem Zinsanstieg gekauft wird.«
Um deshalb immer frühzeitig reagieren zu können, nimmt sich Finanzchef Glorius die täglichen zehn Minuten für die Zinsbeobachtung.
Vorteile für den Cash-Flow
Natürlich heißt Zinsmanagement für Michael Glorius nicht, der Zinsentwicklung mit dem Einsatz von immer weiteren Produkten hinterherzulaufen. Er überlegt von Anfang an, also beispielsweise bereits beim Wechsel aus dem Festzins in den variablen Zins: »Spare ich so viel, dass aus der Einsparung der Cap noch finanzierbar ist und unter dem Strich trotzdem noch etwas bleibt?« Am Schluss muss immer ein Cashflow-Vorteil bleiben, nur dann hat sich die Sache rentiert.
Besondere Risiken bringen Auslandskredite mit sich. Baywobau nutzt sie, wenn das Zinsgefälle interessant ist, handelt sich dafür aber auch Währungsrisiken ein. Michael Glorius: »Eine negative Kursentwicklung macht Rückstellungen erforderlich, das kann die ganze Bilanz verhageln.« Deshalb muss hier neben dem Zinsrisiko auch das Währungsrisiko abgesichert werden, »das geschieht durch Cross-Currency-Swaps«.
Etwas mehr als die täglichen zehn Minuten muss Michael Glorius übers Jahr gesehen doch in das Financial Risk Management investieren. Wenn die Zinsentwicklung sein Ein-greifen verlangt, kommt zu den zehn Minuten Tagesbedarf noch etwas Zeitaufwand dazu. Außerdem gibt es alle sechs Monate eine Strategiesitzung mit LIB, der Liquiditäts- und Investmentberatung der HypoVereinsbank. Bei dieser Gelegenheit wird das gesamte Darlehensgeschehen analysiert. »Wenn sich da Verbesserungsmöglichkeiten zeigen, justieren wir den Kurs unseres Zinsmanagements nach.«
FAZIT
Durch die gestiegene Volatilität der Zinsmärkte hat aktives Zinsmanagement an Bedeutung gewonnen. So lassen sich relevante Kosteneinsparungen und eine hohe Planungssicherheit für die Zinsaufwendungen mit begrenztem Aufwand an Zeit und Ressourcen realisieren.
Artikel aus "Märkte & Chancen"
Herausgeber: Bayerische Hypo-und Vereinsbank AG
Ansprechpartner:
Christian Roth
Dipl.-Kfm., stellv. Abteilungsdirektor
HypoVereinsbank Liquiditäts- und Investmentberatung
Telefon 0911 2002-260
christian.roth(at)hvb.de
Der Bereich Liquiditäts- und Investmentberatung (LIB) der HypoVereinsbank bietet Unternehmen die Funktion einer externen Treasury in den Spezialgebieten Zinsen, Devisen, Anlage und Rohstoffpreise.
LIB ist mit insgesamt 180 Mitarbeitern unter anderem präsent an den Standorten München, Regensburg, Nürnberg, Frankfurt, Düsseldorf, Berlin, Leipzig und Hamburg.
LIB wurde 1994 mit einem Konzept gegründet, das bis heute zukunftsweisend ist: Hier finden Sie das Know-how zu Risk-Management und den Produkten zur Risikobeherrschung unter einem Dach.

