Zurück zur vorherigen Seite

Tipp aus unserer Lohnabteilung: Achtung bei Minijobs ohne geregelte Arbeitszeit!

Minijobs ohne geregelte Arbeitszeiten könnten ab sofort sozialversicherungspflichtig werden!

Achtung bei MinijobsDas hat zwei Ursachen:

  1. Die Erhöhung des Mindestlohns von 8,84 € auf 9,19 € 
      
    Hierdurch sinkt die maximale monatliche Stundenzahl bei Minijobs von bislang 50 Stunden auf 48 Stunden. Sind mehr als 48 Stunden vereinbart, wird die Geringverdienergrenze überschritten!
      
  2. Die Änderung der „Vermutung bei Abrufbarkeit“
      

    Eine gravierende Neuerung versteckt sich im Teilzeit- und Befristungsgesetz für die Arbeit auf Abruf (= rechtlicher Begriff für eine flexible Ausgestaltung der Arbeitszeit):
    Wenn eine eindeutige Regelung der wöchentlichen Arbeitszeit fehlt, gelten seit dem 1.1.19 wöchentlich 20 Stunden als vereinbart – statt bislang 10 Stunden (§ 12 Abs. 1 S. 3 TzBfG). D.h. sobald keine feste Arbeitszeit vertraglich geregelt  ist, wird eine Arbeitszeit von wöchentlich 20 Stunden vermutet und damit bei einem Mindestlohn von 9,19 € die Geringverdienergrenze von 450,00 EUR überschritten!

Beispiel

Ein Arbeitgeber hat die wöchentliche Arbeitszeit bei einer geringfügigen Beschäftigung nicht festgelegt. Somit liegt „Abrufarbeit“ vor und es greift die Regelung nach dem TzBfG:

  • 2018: Bei einem Mindestlohn von 8,84 € und einer gesetzlichen vermuteten Arbeitszeit von 10 Stunden wöchentlich musste ein Monatslohn von 383,03 € vergütet werden. => Die Geringverdienergrenze wurde nicht überschritten.
      
  • 2019: Bei einem Mindestlohn von 9,19 € und einer gesetzlichen vermuteten Arbeitszeit von 20 Stunden wöchentlich müsste jetzt ein Monatslohn von 796,40 € vergütet werden. => Die Geringverdienergrenze würde überschritten werden!

Gravierende Folgen für Arbeitgeber

Kann keine eindeutige Regelung der wöchentlichenArbeitszeit nachgewiesen werden, hätte das schwerwiegende Folgen:

Zum einen könnte der Arbeitnehmer Lohn nachfordern. – Zum anderen würde die Rentenversicherung die nicht gezahlten Sozialversicherungsbeiträge nachfordern (inkl. Rückwirkung von bis zu vier Jahren). Aufgrund des Entstehungsprinzips sogar dann, wenn die betroffenen Arbeitnehmer nichts fordern und keine weiteren Lohnansprüche geltend machen!

Handeln Sie sofort!

Prüfen Sie Ihre Minijob-Arbeitsverträge: Wenn die Arbeitszeit vertraglich nicht fixiert ist und nur lose Absprachen bestehen, müssen Sie die Verträge schnellstens nachbessern. – Nur eindeutige vertragliche Regelungen der Arbeitszeit schützen Sie vor schwerwiegenden Folgen!

Auch Teilzeitarbeitsverträge sind betroffen

Bei sozialversicherungspflichtigen Teilzeitarbeitsverträgen muss die wöchentliche Arbeitszeit ebenso schriftlich festgeschrieben sein, sonst würde auch hier die Vermutung von 20 Wochenstunden greifen. – Mit denselben Gefahren wie oben dargelegt!

Wir beraten Sie gerne.

Kontaktieren Sie uns jederzeit, wenn Sie Fragen zur Geringverdienergrenze bzw. zur Minijob-Regelung haben:
(0951) 9 15 15 - 0